Entstehungsprozess
Für das neue Leitbild war ein fachlich breit abgestütztes Kernteam unter der Leitung der Gesundheitswissenschaftlerin Marion Thalmann zuständig. Unter Einbezug vieler Anspruchsgruppen im Gesundheitswesen wurde das Gesundheitsleitbild innerhalb eines Jahres erarbeitet. Ein besonderer Fokus lag dabei auf den Themenschwerpunkten Geburtshilfe sowie Notfall und Rettung.
Einführung
Der Prozess gliederte sich in vier aufeinander aufbauende Phasen: Initialisierung, Analyse, Konzeption und Dokumentation. In der Initialisierungsphase wurden die Projektorganisation, Zielsetzungen und Erwartungen geklärt sowie eine Kerngruppe eingesetzt. Darauf aufbauend erfolgte eine umfassende Analyse interner und externer Grundlagen, ergänzt durch Workshops mit relevanten Stakeholdern und eine strukturierte SWOT-Analyse1.
In der Konzeptionsphase wurden die Erkenntnisse konsolidiert und in strategische Handlungsfelder sowie übergeordnete Stossrichtungen überführt. Zentrale Akteure aus Politik, Leistungserbringung und weiteren Anspruchsgruppen wurden aktiv eingebunden, unter anderem über Workshops und Sounding Boards. Dadurch konnte eine gemeinsame Sicht auf Herausforderungen, Zielbilder und Rollen geklärt und geschärft werden.
1 Zentrales Werkzeug des strategischen Managements, um Stärken (Strengths), Schwächen (Weaknesses), Chancen (Opportunities) und Risiken (Threats) eines Projekts zu identifizieren.
Kernteam
Das Kernteam setzte sich aus ausgewiesenen Expertinnen und Experten aus Politik, Verwaltung, Gesundheitswesen und Beratung zusammen. Die Mitglieder brachten ihre fachliche Erfahrung und strategische Perspektive aktiv in den Leitbildprozess ein. Das Kernteam verstand sich bewusst als Expertenrunde und nicht als Vertretung einzelner Berufsgruppen oder Leistungserbringer.
Dem Kernteam gehörten an:
- Peter Peyer, Regierungsrat
- Rudolf Leuthold, Leiter Gesundheitsamt, ergänzt durch Sandra Stoeckenius, Leiterin Gesundheitsamt ab 1.10.2025
- Hans Peter Risch, Generalsekretär für Gesundheit, Bevölkerungsschutz und Militär
- Daniel Derungs, Geschäftsführer Bündner Spital- und Heimverband (BSH)
- Daniel Walter, Arzt
- Philipp Gunzinger, Berater
- Martin Blumenthal, Leiter Finanzen und Controlling Gesundheitsamt
- Marion Thalmann, Projektleiterin
Für die Kommunikation war Ursina Trautmann, Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit Graubünden, als Kommunikationsverantwortliche eingebunden. Zur Begleitung allfälliger späterer Rechtsetzungsvorhaben wurde Aurel Thürlemann, juristischer Mitarbeiter, Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit Graubünden in den Prozess einbezogen.
Die Zusammenarbeit im Kernteam war geprägt von konstruktiven Meetings, einem offenen Austausch sowie der gezielten Einbringung von Expertenwissen. In diesem Rahmen wurden die inhaltlichen Grundlagen erarbeitet, diskutiert und weiterentwickelt und damit die Basis für das gemeinsame Leitbild gelegt.

Fokusgruppen
Zur inhaltlichen Vertiefung und Validierung des Leitbildprozesses wurden mehrere themenspezifische Fokusgruppen durchgeführt. Ziel war es, unterschiedliche fachliche Perspektiven sichtbar zu machen, Herausforderungen offen zu diskutieren und gemeinsam Lösungsansätze für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung im Kanton Graubünden zu entwickeln. Die Fokusgruppen bildeten einen zentralen Baustein in der Analyse- und Konzeptionsphase des Leitbilds und lieferten wichtige inhaltliche Impulse für die strategischen Handlungsfelder.
Fokusgruppe Geburtshilfe
Teilnehmende:
- Kernteam: Peter Peyer, Daniel Derungs, Marion Thalmann (Moderation)
- Angelica Signer, Präsidentin Bündner Hebammen / Geburtshaus Chur
- Lea Rottweiler, Vizepräsidentin Bündner Hebammen
- Domenica Diethelm, Bündner Hebammen
- Christine Schenker, Gynäkologin Ilanz
- Carolin Blume, Chefärztin Gynäkologie KSGR
- Jörg Lymann, Leitender Arzt KSGR
- Fabienne Thöny, Anja Malär, Petitionärinnen Thusis
- Anna Barandun, Hebammen Thusis
Wrap-up – zentrale Ergebnisse:
- Geordnete Koordination des Leistungsangebots in der Geburtshilfe notwendig
- Definition klarer Kriterien zur Beurteilung und Förderung von Standorten
- Stärkung des zentralen Standorts KSGR (Angebot, Fachkräfte, Infrastruktur)
- Weiterentwicklung von Beleghebammenmodellen und Patientenhotels
- Aufbau bzw. Stärkung von Kompetenzzentren für Familien
- Geburtshilfe als Bestandteil einer familienfreundlichen und volkswirtschaftlich relevanten Standortpolitik
Fokusgruppe Medizinische Zusammenarbeit Zentrum – Regionen
Teilnehmende:
- Kernteam: Rudolf Leuthold, Daniel Walter, Marion Thalmann (Moderation)
- Marina Jamnicki, Kantonsärztin
- Rudolf Horn, Leitender Arzt Center da Sandà Val Müstair
- Jens Fischer Chefarzt Radiologie Spital Oberengadin
- Dominik Utiger, Hausarzt in Bergün und Stiftungsrat Gesundheit Mittelbünden
- Marcel Bundi, Chefarzt Chirurgie Regionalspital Surselva
- Christian Raselli, Hausarzt in Poschiavo und Vertreter des Centro sanitario Poschiavo
- Yves Acklin, Chefarzt Orthopädie / Unfallchirurgie / Departementsleiter Chirurgie / Mitglied der Geschäftsleitung Kantonsspital Graubünden
- Hans-Curd Frei, Chefarzt Chirurgie/Orthopädie Spital Davos AG
- Joachim Koppenberg, Vorsitzender der Geschäftsleitung / Spitaldirektor / Chefarzt, Anästhesiologie Center da Sandà Engiadina Bassa
Wrap-up – zentrale Ergebnisse:
- Klärung des Rollenverständnisses zwischen Zentrum und Regionen
- KSGR als Grundversorger und Spezialistenklinik
- Regionale Spitäler für einfache Fälle sowie Vor- und Nachbetreuung
- Notwendigkeit flexibler Arbeitszeitmodelle zur Sicherung von Fachkräften
- Stärkung der ärztlichen Aus- und Weiterbildung im Kanton
- Aufbau gemeinsamer IT-Grundlagen (KIS, Radiologie, Labor)
- Zielkonflikt zwischen medizinischem Bedarf und politischem bzw. gesellschaftlichem Erwartungsdruck
Fokusgruppe Notfall und Rettung
Teilnehmende:
- Kernteam: Daniel Walter, Marion Thalmann (Moderation)
- Dominik Utiger, Hausarzt Bergün
- Gian-Martin Sommerau, Qualitätsverantwortlicher Rettungsdienst Rettung Chur
- Fadri Erni, Vorstandsmitglied Swiss Paramedic Association
- Peppi von der Muehll, Verantwortlicher hausärztlicher Notfalldienst, Bündner Ärzteverein
- Sergio Calabresi, Leiter SNZ 144
- Christoph Elbel, Stv. Chefarzt Klinische Notfallmedizin KSGR
- Renato Moresi, Betriebsleiter Rettung Chur
- Joachim Koppenberg, Direktor CSEB
- Irene Mir, Leiterin Pflege Notfallstation Spital Schiers
- Hans-Curd Frei, Leiter Notfallstation Spital Davos
- Monika Fehr Caluori, Präsidentin Apotheken Graubünden
Wrap-up – zentrale Ergebnisse:
- Hohe Herausforderungen durch steigende Patientenerwartungen
- Sicherstellung von Gebietsabdeckung und Hilfsfristen zentral
- Fachkräftemangel als limitierender Faktor
- Bedeutung von Qualität, Attraktivität und Vorhalteleistungen
- Bedarf an besserer Steuerung von Sekundärtransporten
- Neuordnung von Rettungsregionen und Kapazitätsmanagement
- Einsatz technologischer Lösungen und differenzierter Triage-Modelle
- Entwicklung gemeinsamer Lösungen mit Regionen und Leistungserbringern
Fokusgruppe Organisatorische Zusammenarbeit Zentrum – Regionen
Teilnehmende:
- Vertretungen der KSK, Bündner Spital- und Heimverband (BSH)
- Weitere Akteure aus Zentrum und Regionen
Wrap-up – zentrale Ergebnisse:
- Gemeinsame Abstimmung des Leistungsangebots zwischen Zentrum und Regionen
- Klärung der Rolle des Kantons als gestaltender und rahmensetzender Akteur
- Klärung der Rolle der Trägerschaften und der politischen Verantwortung
- Nutzung gemeinsamer Strukturen (IT, Einkauf, Organisation)
- Definition klarer Gestaltungs- und Entscheidungsrahmen
- Entwicklung eines gemeinsamen Zukunftsmodells für die Zusammenarbeit
Sounding Board vom 16. Dezember 2025
Teilnehmende: 132 Teilnehmende (Gesundheitsversorgungsregionen, Spitäler, Institute, Verbände, Gemeinden, Politik)
Zielsetzung des Sounding Boards
Das Sounding Board war Teil des Mitwirkungsprozesses zum Leitbild 2026–2036. Ziel war die Validierung der damalig sechs strategischen Handlungsfelder sowie die Einholung von Rückmeldungen und zusätzlichen Impulsen aus der Praxis. Die Teilnehmenden konnten die strategischen Stossrichtungen differenziert bewerten und qualitative Rückmeldungen einbringen.
Gesamtbild
Das Sounding Board zeigte eine sehr hohe Zustimmung zur Grundausrichtung des Leitbilds und zu den definierten strategischen Handlungsfeldern. Die Bewertungen lagen über alle Handlungsfelder hinweg im hohen bis sehr hohen Zustimmungsbereich.
Zentral war die klare Unterstützung einer aktiven Rolle des Kantons in Koordination, Rahmensetzung und Förderung – bei gleichzeitigem Festhalten an dezentralen Versorgungsstrukturen.
Die strategischen Stossrichtungen wurden differenziert beurteilt. Dies lieferte dem Kernteam im Anschluss wertvolle Hinweise für die vertiefte Analyse der Rückmeldungen und führte zu gezielten Präzisierungen und Anpassungen im Leitbild.
Querschnittliche Rückmeldungen
- Koordination statt Überzentralisierung
- Vertrauen, Augenhöhe und schlanke Strukturen
- Praxisnahe Digitalisierung
- Realistische Rahmenbedingungen für Personal, Arbeitszeit und Finanzierung
- Gemeinsames Ziel einer qualitativ hochwertigen, nachhaltigen Gesundheitsversorgung
Das Format wurde sehr positiv bewertet, insbesondere:
- Interaktive Abstimmung
- Klare Struktur entlang der Handlungsfelder
- Kombination aus quantitativen Bewertungen und qualitativen Kommentaren