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Zahlen und Fakten

Eine alternde Bevölkerung, abnehmende Geburtenzahlen, eine stagnierende Bevölkerungsentwicklung, starke Abwanderung aus der Peripherie, starke Saisonalität in der Versorgung, steigende Kantonsbeiträge an die Spitäler: Die Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung im Kanton Graubünden basiert auf einer fundierten Analyse der demografischen, epidemiologischen und finanziellen Rahmenbedingungen.

Themenübersicht

Bevölkerungswachstum
Bevölkerungsprognosen bis 2055
Anteil der Personen 65+
Veränderung der Anzahl Geburten
Kosten der Gesundheitsversorgung
Entwicklung der Beiträge des Kantons
Stationäre Behandlung nach Spital
Stationäre Behandlung nach medizinischer Leistung
Stationäre Behandlungen nach Patientenherkunft
Beiträge des Kantons an Bündner Spitäler
Monatliche Einsätze aller Rettungsdienste

Die nachfolgenden Kennzahlen verdeutlichen die regional sehr unterschiedlichen Entwicklungen im Kanton und machen sichtbar, wo struktureller Anpassungsbedarf besteht. Sie zeigen insbesondere:

  • die demografische Verschiebung hin zu einer älteren Bevölkerung,
  • die regional divergierende Bevölkerungsentwicklung,
  • die Saisonalität der Leistungserbringung,
  • sowie die finanzielle Belastung der öffentlichen Hand.

Die Zahlen unterstreichen die Notwendigkeit einer abgestuften, integrierten und regional differenzierten Versorgungsplanung.

Das Bevölkerungswachstum

Die Bevölkerung des Kantons Graubünden ist in den letzten zehn Jahren moderat gewachsen (+5,2 %). Dieses Wachstum verteilt sich jedoch sehr unterschiedlich auf die einzelnen Gesundheitsversorgungsregionen. Während das Churer Rheintal mit +9,2 Prozent deutlich zulegt, (dunkelblau) verzeichnen periphere Regionen wie das Val Müstair einen Bevölkerungsrückgang (–6,7 %). Besonders wachstumsstark sind das Churer Rheintal, die untere Surselva, Viamala sowie die Region Moesa. Die Entwicklung der Gesundheitsangebote muss sich deshalb stärker regional differenziert an der Bevölkerungsdynamik ausrichten.

Die Bevölkerungsprognosen bis 2055 pro Gesundheits­versorgungsregion

Das Referenzszenario der Bevölkerungsprognosen des Bundesamts für Statistik (BFS), im Auftrag des Amts für Raumentwicklung durch Wüest Partner auf Stufe Gemeinde heruntergebrochen, geht davon aus, dass sich die demographischen Trends (bezüglich Fruchtbarkeit, Sterblichkeit und Wanderung) der letzten zehn Jahre auch künftig fortsetzen werden.

Im Churer Rheintal kommt es demnach über die nächsten 30 Jahre voraussichtlich zu einer Bevölkerungszunahme von insgesamt etwa zwölf Prozent. Im Val Müstair nimmt die Bevölkerung gemäss dem mittleren Szenario um etwa 30 Prozent ab.

Die Gesundheitsversorgungsregionen mit einer bereits kleinen Wohnbevölkerung werden in der Tendenz über die nächsten Jahre einen weiteren Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen haben (Surses, Bregaglia, Val Müstair).

Quelle: Amt für Raumentwicklung GR

Anteil der Personen im Alter von 65 oder mehr Jahren

Die Altersstruktur unterscheidet sich erheblich zwischen den Regionen. Im Val Müstair sind bereits heute 35 Prozent der Bevölkerung 65 Jahre alt oder älter. Besonders hoch ist der Anteil älterer Personen in mehreren Seitentälern (u. a. Calanca, Lumnezia, Tujetsch, Surses, Bregaglia). Gleichzeitig ist dort seit mehreren Jahren ein Geburtenrückgang zu verzeichnen. Die Alterung der Bevölkerung wirkt sich direkt auf den Pflegebedarf, das Auftreten chronischer Erkrankungen und die Notwendigkeit entsprechender Versorgungsmodelle aus.

BFS Statistik der Bevölkerung und der Haushalte – STATPOP

Veränderung der Anzahl Geburten 2014 bis 2024

Die Anzahl Geburten im Kanton Graubünden ist in den letzten fünfzig Jahren deutlich zurückgegangen (von 2 268 im Jahr 1974 auf 1 504 im Jahr 2024, d.h. – 33,7 Prozent. In den letzten zehn Jahren beträgt der Rückgang -16.6 Prozent.) Die Entbindungen in Bündner Spitälern liegen jedoch höher als die Zahl der im Kanton wohnhaften Gebärenden, da jährlich über 300 Frauen aus angrenzenden Regionen (Sarganserland, Liechtenstein) in Graubünden entbinden. Die Entwicklung beeinflusst die strukturelle Ausgestaltung der Geburtshilfe im Kanton massgeblich.

BFS Statistik der natürlichen Bevölkerungsbewegung BEVNAT

Kosten der Gesundheits­versorgung GR – im Jahr 2024

Im Jahr 2024 beliefen sich die Gesundheits­kosten im Kanton Graubünden auf durchschnittlich über 6000 Franken pro Einwohnerin und Einwohner. Rund die Hälfte der Kosten wird über die obligatorische Krankenpflege­versicherung finanziert. Über ein Viertel trägt der Kanton, der verbleibende Anteil entfällt auf Kostenbeteiligungen der Versicherten, Gemeinden und Bund. Die Finanzierung der Gesundheitsversorgung ist somit eine gemeinsame Aufgabe von Versicherten, Gemeinden, Kanton und Bund.

Kosten-beteiligung
OKP (ohne IPV)
Gemeinden
Kanton
Bund
Total (CHF in Mio.)
121,8 Mio.
606,8 Mio.
108,6 Mio.
336,7 Mio.
76,4 Mio.
CHF pro Einwohner/-in
591 CHF
2 944 CHF
527 CHF
1 633 CHF
371 CHF

Legende

Kostenbeteiligung Der Betrag «Kostenbeteiligung» entspricht der Eigenbeteiligung der Versicherten in der obligatorischen Krankenpflege­versicherung (Franchise und Selbstbehalt) und beinhaltet nur die Kosten der Rechnungen, welche die Versicherten effektiv bezahlt haben. Die von der Krankenkasse übernommenen Kosten sind in diesem Betrag nicht enthalten.

OKP (ohne Individuelle Prämienverbilligung) Das sind jene Kosten der Grundversicherung, welche von Krankenversicherungen nach Krankenpflegeleistungsverordnung (KLV) beglichen wurden: ambulante medizinische Leistungen; 45-Prozent-Anteil für die stationären Leistungen; Medikamente; OKP-Anteil für Spitex-Leistungen und Pflegeheimleistungen; Laborleistungen; Mittel und Gegenstände sowie übrige. Von der Summe der OKP-Kosten werden die gewährten Beiträge der individuellen Prämienverbilligung (IPV) jedoch abgezogen, da diese durch Bund und Kanton getragen werden.

Gemeinden 45 Mio. Beiträge an Restkostenfinanzierung der Alters- und Pflegeheime (75-Prozent-Anteil; restliche 25 Prozent werden durch den Kanton getragen); 26 Mio. Beiträge aufgrund der Leistungsaufträge, um nicht kostendeckende Angebote auszugleichen; 22 Mio. Gemeindeanteil an die Kosten für stationäre Behandlungen (10-Prozent-Anteil, restliche 90 Prozent werden durch den Kanton getragen); 12 Mio. Beiträge an Restkostenfinanzierung der Spitex-Leistungen (45-Prozent-Anteil, restliche 55 Prozent werden durch den Kanton getragen); 4 Mio. Beiträge an gemeinwirtschaftlichen Leistungen (GWL) und Rettung.

Kanton 198 Mio. Kosten für stationäre Behandlungen; 59 Mio. Kantonsbeiträge für die individuelle Prämienverbilligung; 26 Mio. Beiträge für GWL; 15 Mio. Restkostenfinanzierung der Altes- und Pflegeheime; 15 Mio. Restkostenfinanzierung der Spitex-Leistungen; 13 Mio. Beiträge für Rettung; 6 Mio. Beiträge für Lehre und Forschung sowie 4 Mio. weitere Beiträge.

Bund 76 Mio. Bundesbeiträge für die individuelle Prämienverbilligung.

Quelle: Gesundheitsamt

Entwicklung der Beiträge des Kantons an die innerkantonalen und ausserkantonalen Spitäler

Diese Tabelle stellt dar, wie die Kantonsbeiträge an inner- und ausserkantonale Spitäler in den letzten zwölf Jahren kontinuierlich angestiegen sind. Die Beiträge für medizinische Leistungen nach OKP sind über die letzten zwölf Jahre im Schnitt um jährlich gut zwei Prozent angestiegen, auf 207 Mio. im Jahr 2025. Die Beiträge für gemeinwirtschaftliche Leistungen sind über die letzten zwölf Jahre im Schnitt um jährlich knapp drei Prozent angestiegen, auf 31 Mio. im Jahr 2025. Die Beiträge für Rettung sind über die letzten zwölf Jahre im Schnitt um jährlich gut elf Prozent angestiegen, auf 13,3 Mio. im Jahr 2025. Die Beiträge für universitäre Lehre und Forschung sind über die letzten zwölf Jahre im Schnitt um jährlich knapp 6 Prozent angestiegen, auf 10,6 Mio. im Jahr 2025. Besonders stark wächst der Finanzierungsbedarf im Rettungswesen.

Quelle: Gesundheitsamt

Stationäre Behandlung nach Spital

Die Grafik zeigt die belegten Betten in den einzelnen Spitälern pro Tag. Das Kantonsspital Graubünden behandelt allein so viele stationäre Fälle wie alle Regionalspitäler zusammen (> 52 % der Fälle). Dies verdeutlicht die zentrale Rolle des Zentrumsspitals sowie die strukturellen Herausforderungen der saisonalen Belastung.

Quelle: Gesundheitsamt

Stationäre Behandlung nach medizinischer Leistung

Diese Grafik zeigt auf, wie die Anzahl chirurgischer Eingriffe insbesondere in den Wintermonaten deutliche Spitzen aufweist. Diese Entwicklung steht in direktem Zusammenhang mit touristischen Aktivitäten und saisonalen Unfallhäufungen.

Quelle: Gesundheitsamt

Stationäre Behandlungen nach Patientenherkunft

Zwischen Weihnachten und Ende März steigt der Anteil ausserkantonaler und ausländischer Patientinnen und Patienten markant an. Die Gesundheitsversorgung Graubündens erfüllt somit nicht nur eine regionale, sondern auch eine überregionale Versorgungsfunktion.

Quelle: Gesundheitsamt

Beiträge des Kantons an Bündner Spitäler im Jahr 2024

Die Nettokosten des Kantons, welche für stationäre Leistungen zugunsten von Personen mit Wohnsitz im Kanton Graubünden anfallen, verdeutlichen die erhebliche finanzielle Verantwortung des Kantons in der Spitalversorgung. Diese Beiträge werden unabhängig von Gemeindebeiträgen oder gemeinwirtschaftlichen Leistungen ausgerichtet.

Quelle: Gesundheitsamt

Monatliche Einsätze aller Rettungsdienste (Ambulanzstützpunkte inkl. Kenndaten 2024)

Auch bei den Einsätzen der Rettungsdienste wird die Saisonalität deutlich sichtbar. In tourismusintensiven Monaten steigt die Einsatzfrequenz signifikant an, was erhöhte personelle und organisatorische Vorhalteleistungen erfordert.

Quelle: Gesundheitsamt

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